Medienecho

Bericht zur schulartübergreifenden Fortbildung für Lehrkräfte am 12. Oktober 2018

 

Die Heidelberger Lupe e.V., Verein für historische Forschung und Geschichtsvermittlung, veranstaltete am 12.10.2018 in Kooperation mit dem Regierungspräsidium Karlsruhe, Abteilung 7 Schule und Bildung, im Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma eine schulartübergreifende Fortbildung für Lehrkräfte aus der Heidelberger Region. Dabei bestand die Möglichkeit, das erstellte Materialheft der Lupe durch vertiefende Gruppenarbeitsphasen und Kurzvorträge kennenzulernen sowie kostenlose Belegexemplare der zweiten Auflage zu erhalten. Das äußerst positive Feedback zum Materialheft und zur Fortbildung selbst sowie der Wunsch einiger Lehrkräfte nach einem zweiten Teil der Fortbildung könnten für den Verein Anknüpfungspunkte für zukünftige Projekte sein.

 

Die zweieinhalbstündige Veranstaltung „Heidelberg im Nationalsozialismus – Forschung und Vermittlung aus lokalhistorischer Perspektive“, die von Studienrätin Michaela Frieß (Mannheim) und Studiendirektor Dr. Rainer Hennl (Karlsruhe) geleitet und von Mitgliedern der Heidelberger Lupe gestaltet wurde, hatte das Ziel, einen Überblick über die Geschichte Heidelbergs in der Zeit des Nationalsozialismus zu verschaffen und didaktische Zugänge zur Erkundung historischer bzw. erinnerungskultureller Orte in Heidelberg aufzuzeigen. Neben der gedruckten Version des Materialheftes konnten so die digitale Version der Karte mit den verzeichneten historischen und erinnerungskulturellen Orten, die in Kürze verfügbare PDF-Version des Materialheftes sowie der digitale Stadtrundgang zur Geschichte der Sinti und Roma in Heidelberg, der in Kooperation mit der Pädagogischen Hochschule entstand, präsentiert werden.

Zur vertiefenden Arbeit mit dem Materialheft wurden exemplarisch drei Themeneinheiten ausgewählt, die die Lehrkräfte gemeinsam mit den Expertinnen der Lupe erarbeiteten. So wurden im Rotationsprinzip die Themenbereiche „Euthanasie“, Frauen im Nationalsozialismus und die Verfolgung der Sinti und Roma mit lokalgeschichtlichem Bezug anhand verschiedener Quellen beleuchtet, um in einer anschließenden Gruppendiskussion das didaktische Potenzial der lokalhistorischen Quellen zu erarbeiten. Dabei standen stets beteiligte Akteurinnen und Akteure sowie zur Ausgrenzung führende Mechanismen im Fokus. Studienrätin Michaela Frieß bot zusätzlich eine vierte Station an, an der sie einen Beitrag zum Modul „Actionbound – Widerstand im Nationalsozialismus in Mannheim“ miteinbrachte.

Die 17 teilnehmenden Lehrkräfte zeigten sich sehr beeindruckt von der Vielzahl und Vielfältigkeit der verwendeten Quellen, die sich im Unterrichtsverlauf und je nach Schulform und Klassenstufe verschieden einsetzen ließen: Eine Lehrerin verwies darauf, dass sich die Publikation sehr gut als Materialsammlung für Schülerinnen und Schüler eigne, die ein Referat oder eine GFS vorbereiten. Durch die Arbeit in Projektphasen oder durch die Aufteilung einer Quelle könnte zudem die Schwierigkeit umgangen werden, durch zu starkes, jedoch ggf. notwendiges Kürzen eine Interpretation der Quelle vorwegzunehmen. Weiterhin wurde in allen Gruppen und bei der Evaluation der Veranstaltung der Lokalbezug des Projekts gelobt: Dieser ermögliche den Schülerinnen und Schülern ein tiefergehendes Verständnis der Thematik und verdeutliche, dass die Täterinnen und Täter, anders als in den Darstellungen mancher Schulbücher, nicht nur weit entfernt agierende Personen waren, sondern dass diese auch inmitten der Heidelberger Gesellschaft handelten.

Insgesamt konnten alle Teilnehmenden durch die Bearbeitung verschiedener Themenfelder und die kurzen theoretischen Inputs neue Anregungen und Materialien für die Unterrichtsgestaltung gewinnen. Für die Erarbeitungsphase in den Gruppen hätten sich einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer jedoch etwas mehr Zeit gewünscht. Darauf gründet auch der Vorschlag von Seiten der Lehrkräfte, einen zweiten Teil der Fortbildung mit einem Stadtrundgang zu ausgewählten Erinnerungsorten zu organisieren. Zudem bestand großes Interesse an der Online-Version der Karte und der PDF-Version des Materialheftes, die den Lehrkräften nach der Fertigstellung zugänglich sein werden.

Zum Abschluss der Veranstaltung konnten rund 130 Belegexemplare an die Vertreterinnen und Vertreter der Schulen und des Staatlichen Seminars für Didaktik und Lehrerbildung (Berufliche Schulen) Karlsruhe ausgehändigt werden. Wir freuen uns bereits sehr, in Zukunft zu erfahren, wie die Materialien im Unterricht eingesetzt und welche Verbesserungsvorschläge oder Anregungen sich daraus ergeben werden.

 

Lehrerfortbildung

 

Transfer Together: Wie begegnen wir Antiziganismus in der Schule? 31. August 2018

 

Bericht zum Projekt „Antiziganismusprävention in Schulen“ von Nadine Povoden unter Transfer Together

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Als Hilfestellung für die Präventionsarbeit von Antiziganismus in jedweder Form von Lehre hat Povoden im Rahmen einer Forschungsarbeit daher ein Kategoriensystem entwickelt. Es konzentriert sich auf drei Themenbereiche: pädagogische Haltung, Rassismusverständnis und Antiziganismusverständnis. Ich habe mein Systeme auch exemplarisch an einigen Materialien getestet. Allerdings frage ich mich, ob mein Raster in der Praxis anwendbar ist. Sie möchte es daher mit euch teilen: Konzept für pädagogische Fachkräfte

Projektseminar „Virtueller Stadtrundgang zu Orten der Geschichte der Sinti und Roma in Heidelberg“ der PH Heidelberg

Projektdarstellung auf der Homepage der PH Heidelberg:

Das Projekt wird durch die Heidelberg School of Education im Rahmen des Programms  PLACE aktuell gefördert: hse-heidelberg.de/forschung/place-aktuell/

Projektleitung: Prof. Dr. Bettina Alavi

Projektpartner: „Heidelberger Lupe e.V. – Verein für historische Forschung und Geschichtsvermittlung“, Verena Meier (1. Vorsitzende),

Laufzeit: SS 2018

Digitale Lehrerbildung bedeutet für Geschichtsstudierende die Auseinandersetzung mit neuen Formen der Geschichtsvermittlung. Ein virtueller historischer Stadtrundgang ergänzt in spezifischer Weise Stadtführungen, die sich an Gruppen wenden und die von geschulten Personen durchgeführt werden. Die Internetpräsenz des virtuellen Angebots ermöglicht durch einen niedrigschwelligen Zugang die Erschließung breiter Zielgruppen und eine individuelle Auseinandersetzung mit der lokalhistorischen Geschichte. Virtuelle Stadtrundgange sind schon zu einem etablierten Bestandteil der Geschichtskultur geworden.

Die Lehramtsstudierenden setzen sich in diesem Projekt inhaltlich, medienkritisch und praktisch mit dieser Form der Repräsentation von Geschichtskultur auseinander, indem sie selbst einen virtuellen Stadtrundgang zur Geschichte der Sinti und Roma in Heidelberg erstellen. Heidelberg ist gerade für die Geschichte der Minderheit besonders von Bedeutung: 1973 fand in Heidelberg die erste öffentliche Demonstration gegen die Diskriminierung von Sinti*ze und Rom*nja statt. Aus einer Protestbewegung entstand eine institutionalisierte Bürgerrechtsarbeit. Landesverbande gründete sich und schlossen sich 1982 zum „Zentralrat Deutscher Sinti und Roma“ als politischen Dachverband mit Sitz in Heidelberg zusammen. Im gleichen Jahrzehnt eröffnete das „Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma“ in Heidelberg die bisher weltweit einmalige Dauerausstellung über den Völkermord an der Minderheit. Die Minderheitengeschichte fordert die Studierenden zur inhaltlichen Auseinandersetzung mit eigenen diskriminierenden Verhaltensweisen auf und dekonstruiert das Stereotyp des ‚Zigeuners‘. Gleichzeitig muss im Prozess der Erstellung des Stadtrundgangs medienkritisch über diskriminierungssensibel durchdachte Darstellungsweisen in Text, Bild und Ton diskutiert werden. Die Studierenden partizipieren mit ihrem Produkt an der lokalen Geschichtskultur und erfahren die Nachhaltigkeit ihrer Tätigkeit. Dieses Projekt soll die Studierenden dazu ermutigen im späteren Berufsleben eigene medienkritisch durchdachte digitale Angebote in den Unterricht zu integrieren.

 

 

Gedenkstätten in Baden-Württemberg, Bericht der LpB über die Veröffentlichung des Materialheftes der Heidelberger Lupe, April 2018

Hier geht es zum ursprünglichen Bericht

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Stolpersteinverlegung für die Familie Meyer in Handschuhsheim

Am 6. Oktober 2017 wurden im Zuge der achten Stolpersteinverlegung in Heidelberg Stolpersteine für die Familie Meyer in Handschuhsheim verlegt. Das Schicksal der Familie wurde von der stellvertretenden Vorsitzenden des Vereins Heidelberger Lupe, Jacqueline Dotzer, wissenschaftlich aufgearbeitet. Sie imitierte ebenfalls die Verlegung dieser Stolpersteine und erhielt dabei Unterstützung von der Fachschaft Geschichte.

 

Dazu wurde auf dem Blog „Minority Research“ vom Arbeitsbereich Minderheitengeschichte und Bürgerrechte in Europa folgendes berichtet:

 

06.10.2017 Achte Stolpersteinverlegung in Heidelberg

Stolpersteine für die Familie Meyer in Handschuhsheim

Stolpersteine1Am 6. Oktober 2017 fand die 8. Stolpersteinverlegung in Heidelberg statt und 32 Heidelberger Opfern wurden „ihre Namen zurückgegeben“ wie es der Künstler Gunter Demnig formuliert. Auch der Familie Meyer, zur Zeit des NS-Regimes wohnhaft in der Steubenstraße 36, Handschuhsheim, wurde hierbei gedacht. Die Familie erhielt mit der Verlegung von drei Stolpersteinen einen Ort, an dem sie im Geiste vereint wird.

Harry und Meta Meyer wurden aufgrund ihres jüdischen Glaubens Opfer des nationalsozialistischen Gewaltregimes. Harry Meyer wurde 1942 nach Izbica deportiert. Seine Frau Meta Meyer, geborene Lewin wurde 1940 nach Gurs deportiert und kam 1942 über Drancy nach Auschwitz. Das Ehepaar Meyer wurde zum 8.5.1945 für tot erklärt.

Ihrem Sohn Helmut Meyer, der wegen politischem Widerstand bereits seit 1936 im Zentrum der nationalsozialistischen Verfolgung stand, gelang 1938 die Flucht in die USA. Im August 1936 war der 1912 geborene Jura-Student wegen eines Briefes mit antifaschistischem Inhalt inhaftiert und der Heimtücke angeklagt worden. Bei den extensiven Ermittlungen fanden die Beamten zahlreiche kommunistische Schriften sowie selbstverfasste regimekritische Gedichte in seiner Wohnung auf. Laut Zeitzeugenaussagen betrieb Meyer zu dieser Zeit eine studentische Widerstandsgruppe, die sich auf einer Insel im Neckar, etwa auf der Höhe des heutigen Thermalbads versammelte. Eine Aktivität dieser Gruppe war das Abhören des Senders der Internationalen Brigaden aus Madrid. Ein Produkt dieser Gruppe war ein Flugblatt zum Spanischen Bürgerkrieg, in dem ein Aufruf zum Widerstand gegen den Krieg enthalten war.

Die Verlegung der Stolpersteine für die Familie Meyer wurde durch die wissenschaftliche Hilfskraft des Arbeitsbereichs Jacqueline Dotzer initiiert und fand am Freitag, den 6. Oktober 2017 am ehemaligen Wohnort der Familie in Handschuhsheim statt. Trotz regnerischen Wetters fanden sich zahlreiche Interessierte ein und legten Blumen am nun geschaffenen Gedenkort für die Familie Meyer nieder. Begleitet wurde die Verlegung der Stolpersteine von einer Ansprache von Jacqueline Dotzer. Lukas Müller, Sprecher der Fachschaft Geschichte und Vertretung der Fachschaft Geschichte im Studierendenrat, trug anschließend ein von Helmut Meyer verfasstes Gedicht mit dem Titel Den Toten von Dachau vor. Die Verlegung der Stolpersteine wurde finanziell durch den Studierendenrat, die Fachschaft Geschichte und einen privaten Stifter ermöglicht. Um 14:15 Uhr lud dann im Hölderlin-Gymnasium, Plöck 40, die Stolperstein-Initiative Heidelberg zu einer Gedenkveranstaltung anlässlich der 8. Stolpersteinverlegung ein.

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(Jacqueline Dotzer, Gunter Demnig, Lukas Müller, v.l.n.r.)

 

Sehen Sie zum Thema auch den Aufsatz von Jacqueline Dotzer im Heidelberger Jahrbuch zur Geschichte der Stadt 21/2017 mit dem Titel: „Heimtücke, Hochverrat, Widerstand. Die Verfolgung und Verurteilung des jüdischen und sozialistischen Studenten Helmut Meyer“.

Stadtrundgang zur Geschichte der Heidelberger Sinti

Am Dienstag, den 20. Juni 2017, fand ein Stadtrundgang zur Geschichte der Heidelberger Sinti statt, der von Ilona Lagrene in Kooperation mit der Heidelberger Lupe, dem Arbeitsbereich Minderheitengeschichte und Bürgerrechte in Europa und dem Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma durchgeführt wurde:

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Dazu erschien außerdem folgende Pressemitteilung des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma:

Hier geht es zum ursprünglichen Beitrag

Stadtrundgang zur Geschichte der Heidelberger Sinti mit Ilona Lagrene

Rundgang durch die Heidelberger Altstadt mit Ilona Lagrene, 20. Juni 2017

Gemeinsam mit dem Verein „Heidelberger Lupe“ (Verein für Historische Forschung und Geschichtsvermittlung) lud das Dokumentationszentrum am 20. Juni zum Stadtrundgang mit der Bürgerrechtlerin Ilona Lagrene. Beim Rundgang zur Geschichte der Heidelberger Sinti erinnerten die Teilnehmer*innen an die im Mai 1940 „in den Osten“ deportierten Sinti-Familien.

Im Sommer 1935 wurde aus einer zunächst gegen eine Sinti-Familie gerichteten Einzelaktion eine allgemeine Vertreibungsmaßnahme für das gesamte Stadtgebiet. Der Versuch der städtischen Behörden, die vorher erfassten Heidelberger Sinti-Familien zwangsweise abzuschieben, scheiterte an der fehlenden gesetzlichen Grundlage. Übrig blieb, den Druck sowohl wirtschaftlich als auch sozial zu steigern, in der Hoffnung, durch den Entzug der Erwerbsgrundlage und die drangsalierenden Kontrollmaßnahmen würden die Sinti aus Heidelberg weg ziehen. Tatsächlich zogen von den im Sommer 1935 in Heidelberg lebenden Sinti-Familien die meisten bis Mitte 1936 nach Ludwigshafen.

Am 16. Mai 1940 wurden in ganz Deutschland insgesamt 2.500 Sinti und Roma verhaftet. Unter den 61 in Ludwigshafen festgenommen Sinti kamen 19 Personen aus Heidelberger Familien. Sie alle wurden in provisorisch eingerichtete Sammellager gebracht. Von dort aus wurden sie nur wenige Tage später mit Zügen in die Ghettos und Konzentrationslager im besetzten Polen deportiert. Für die Mehrzahl der deportierten Männer, Frauen und Kinder war es eine Fahrt in den Tod.

Ilona Lagrene zeichnete im Anschluss an den Stadtrundgang einzelne Familienschicksale nach und berichtete aus ihren persönlichen Erfahrungen und Begegnungen. Die ehemalige Vorsitzende des Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma Baden-Württemberg wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als Tochter der zuvor in der Heidelberger Altstadt wohnhaften Sinti-Familie Steinbach geboren. Ihre Eltern und Geschwister waren 1936 aus Heidelberg nach Ludwigshafen geflüchtet, wo sie im Mai 1940 ins besetzte Polen deportiert worden waren. Dort mussten sie mehrere Ghettos und Konzentrationslager durchlaufen und Zwangsarbeit leisten.

Die Heidelbergerin und Holocaust-Überlebende Lore Georg kam dankenswerterweise trotz sommerlicher Hitze zur Veranstaltung, um gemeinsam mit ihrer Schwester Ilona Lagrene die Erinnerung an die Heidelberger Sinti-Familien zu bewahren.

Dazu erschien außerdem folgender Beitrag auf dem Blog „Minority Research“ vom Arbeitsbereich Minderheitengeschichte und Bürgerrechte in Europa:Hier geht es zum Blog

Stadtrundgang zur Geschichte Heidelberger Sinti mit Ilona Lagrene

Am 20. Juni 2017 fand in Heidelberg ein Stadtrundgang mit der Bürgerrechtlicher Ilona Lagrene statt. Diesen hatte das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma gemeinsam mit dem Verein „Heidelberger Lupe“ und dem Arbeitsbereich für Minderheitengeschichte und Bürgerrechte in Europa organisiert. Der Rundgang sollte an Deportation Heidelberger Sinti-Familien 1940 erinnern.

Weitere Informationen finden sich auf der Website des Dokumentationszentrums.

 

 

Artikel in der Rhein-Neckar-Zeitung vom 16. November 2016 (Seite 6, Campus Heidelberg):

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Zeitzeugengespräch mit ehemaligen jüdischen Mitbürgern Heidelbergs

Am 10. Mai 2016 bekamen wir Schülerinnen und Schüler der Kursstufe 1 alle die Chance, mit zwei Zeitzeugen ein Gespräch über ihre Erlebnisse im Dritten Reich zu führen. Stellvertretend für uns alle, hatten sich unsere Mitschülerinnen Katharina Blank, Laura Ritter und Tara Christmann im Geschichtskurs von Herrn Matthias Kneller darauf vorbereitet, die gemeinsam erdachten Fragen an die beiden Zeitzeugen zu stellen. Verena Meier vom Verein „Heidelberger Lupe e.V.“ filmte das Gespräch zudem für eine studentische Projektgruppe der Universität Heidelberg zum Thema „Oral History“.

Zuerst wurden unsere Gäste dann durch ein Grußwort von unserem Schulleiter Herrn Amann begrüßt und dann begann auch schon das Gespräch mit den beiden ehemaligen jüdischen Mitbürgern Heidelbergs, die uns zuerst allgemein von ihrem Leben in Deutschland und in den USA erzählten, außerdem wie es war, dort jeweils als Juden aufzuwachsen. In einer gelösten Gesprächsatmosphäre konnten wir dann alle unsere Fragen stellen, die uns interessierten – auch bedingt dadurch, dass es immer wieder zu Wortmeldungen aus dem Plenum kam.

So erfuhren wir, dass die beiden Zeitzeugen aus jüdischen Familien stammen, die aber noch rechtzeitig vor dem beginnenden Holocaust an den europäischen Juden in die USA fliehen konnten und dort dann aufwuchsen.

Henry Baer wurde am 6.10.1935 in Heidelberg als Sohn von dem Zahnarzt David Baer und seiner Ehefrau Paula Baer geboren. Als 1935 der politische Einfluss der Nationalsozialisten alles beherrschend wurde, entschloss sich seine Familie dazu, zu Verwandten in die USA zu fliehen. Ein Onkel konnte seiner Familie und vielen weiteren Familien zur Flucht verhelfen. Später im Interview nannte ihn Henry Baer einen Helden. Zu diesem Zeitpunkt war er jedoch erst 9 Monate alt, sodass seine Erzählungen Heidelberg betreffend ein implizites Wissen darstellen.

Angekommen in den USA begann eine schwere Zeit für seine Familie, da Henry Baers Vater erst nach vier Jahren eine Arbeitserlaubnis als Zahnarzt bekam. Zudem haben Juden auch in den USA teilweise Diskriminierung erleben müssen, z.B. wurde Henry Baer als Kind von den so genannten „Boy Scouts“ ausgegrenzt, da dies eine kirchliche Organisation war und er deswegen als Jude nicht bei diesen Pfadfindern teilnehmen durfte. Er erzählte, dass diese Diskriminierung vor allem für seine Eltern sehr schwer mit anzusehen war, da sie alles dafür gegeben hatten, ihm ein besseres Leben in den USA zu ermöglichen. Henry Baer erzählte auch, dass es allgemein viele Vorurteile gegen Deutsche gab, Amerika aber grundsätzlich offen für alle war, denn es gab sogar eigene Ausgeh-Clubs nur für Deutsche.

Die Frage, ob er sich heute noch ein Stück weit als Deutscher fühlt, verneinte Henry Baer. Er könnte sich auch nicht vorstellen, noch einmal vollkommen zurück nach Deutschland zu kommen, da er sein komplettes Leben in Amerika verbracht hat. Einzig, als er zum Militär musste, ließ er sich nach Deutschland versetzen, wo er auch seine jetzige Ehefrau kennenlernte, die aus München stammt. Sie leben heute zusammen in Kalifornien auf einem Hausboot. Doch betonten beide während des Gesprächs, wie sehr sie Deutschland und die deutsche Kultur lieben würden. Außerdem seien sie stolz auf das heutige Deutschland und dessen Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg.

Mia Forscher, geb. Mia Weiner, wurde am 5.9.1922 in Heidelberg als Tochter von Max Weiner und Klara Weiner geboren. Ihr Vater stammte aus der heutigen Ukraine und kam 1910 als österreichischer Staatsbürger nach Deutschland. Mia Forscher lebte mit ihrer Familie in der Brückenstraße, wo ihr Vater eine erfolgreiche Glas- und Porzellanwarenhandlung betrieb. Auch ihre Familie konnte rechtzeitig fliehen, so wanderte Mia Forscher, die damals in die 3. Klasse der Mönchhof-Grundschule ging, im Jahr 1934 mit ihrer Familie in die USA aus.

Für sie als Kind, das eigentlich gar nicht begriff, was um sie herum passierte, war die Zeit in Deutschland seit der Machtergreifung der Nationalsozialisten sehr hart, da sie plötzlich nicht mehr ihre beste Freundin treffen durfte und sich auch viele enge Freundinnen von ihr abwendeten. Wirklich realisieren konnte sie die Ereignisse der Zeit erst viel später, aber allgemein war die Berichtslage über die Ereignisse in Deutschland in den USA in dieser Zeit sehr schlecht, so erfuhr sie erst sehr viel später vom Holocaust.

Die erste Zeit in Amerika war auch für Mia Forscher sehr schwer, da sie in den USA zunächst noch keine Freunde hatte und auch kein Englisch sprach, weshalb sie in der Schule in eine tiefere Klasse mit jüngeren Schülerinnen eingeschult wurde.

Mia Forschers Verhältnis zu Deutschland ist ähnlich wie das von Henry Baer, denn auch sie liebt Deutschland und vor allem Heidelberg, da dies ihre Heimat als Kind war. Sie würde aber auch nicht wieder hier leben wollen, obwohl sie ihre anfangs starken Vorurteile gegen Deutschland mit der Zeit ablegen konnte. Besonders nämlich Zusammentreffen wie das unsrige, mit unserer Generation als Jugendlichen, konnten auch bei ihr eine Versöhnung mit Deutschland hervorrufen.

Insgesamt war das Gespräch mit den beiden für uns sehr aufschlussreich und wir sind froh, die Chance gehabt zu haben, bei einem solchen Interview mit zwei noch lebenden Überlebenden des Dritten Reichs dabei gewesen zu sein. Bedanken möchten wir uns deshalb bei Frau Viola Frech von der Stadt Heidelberg in Zusammenarbeit mit unserem Geschichtslehrer Herrn Matthias Kneller, die uns dieses unvergleichliche Gespräch ermöglicht haben.

Stella Majer-Lauterbach KS1, im Mai 2016

 

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Mia Forscher und Henry Baer

Bericht von Stella Majer-Lauterbach KS1 des St. Raphael Gymnasiums Heidelberg, Mai 2016 (https://www.srgh.de/de/aktuelles/show.php?id=39):

 

Antisemitismus, Antiziganismus, Rassismus – Fremdenfeindlichkeit damals und heute. Vortrag im Rahmen der Internationalen Woche gegen Rassismus

Blogbeitrag von Birgit Hofmann vom 1. April 2016 auf dem Blog „Minority Research. Minderheitengeschichte und Bürgerrechte in Europa“ (https://minorities.hypotheses.org/248):

Antisemitismus, Antiziganismus, Rassismus – Fremdenfeindlichkeit damals und heute. Vortrag einer Gruppe junger Historikerinnen und Historiker

vortragAm Dienstag, den 22. März hielten Studierende im Hörsaal des Historischen Seminars einen Vortrag über die Einbindung regionalgeschichtlicher Besonderheiten in den schulischen Unterricht. Die Gruppe hat sich im Rahmen zweier Gedenkprojekte des Arbeitsbereichs „Minderheitengeschichte und Bürgerrechte in Europa“ konstituiert, 

Die Veranstaltung fand im Rahmen der vom Interkulturellen Zentrum organisierten Internationalen Wochen gegen Rassismus statt.

Schulische Erinnerungsarbeit in Verbindung mit aktuellen Fragestellungen wie der Ausgrenzung von Minderheiten ist ein wichtiger Teil der historisch-politischen Bildung und kann besonders im lokalen sowie regionalen Rahmen erfahrbar gemacht werden. Durch die  Spurensuche im heimischen Umfeld können sich gerade junge Menschen konkret mit der NS-Geschichte und dem Schicksal verfolgter Menschen auseinandersetzen.

Im Fokus des Vortrags standen die lokale Verfolgung von Minderheiten während der NS-Zeit sowie aktuelle Erinnerungsorte in Heidelberg. Anschließend wurde über aktuelle Herausforderungen der Bildungsarbeit unter Bezugnahme gegenwärtiger Ausgrenzungserfahrungen diskutiert.

Die Projektgruppe erstellt gegenwärtig mit Unterstützung der Jüdischen Kultusgemeinde Heidelbergs eine Handreichung zum Thema „Verfolgung von Minderheiten im Nationalsozialismus in Heidelberg“, die von Lehrerinnen und Lehrer sowie außerschulischen Bildungseinrichtungen genutzt werden kann. Bis März 2017 sollen Ergebnisse des Projekts vorliegen.

Da die regulären Schulbücher kein didaktisches Material mit regionalem Fokus aufweisen, sollen die geplanten Unterrichtsmaterialien die lokale Bezugswelt der Schülerinnen und Schüler unmittelbar miteinbeziehen, um das Wissen über die Verbrechen der NS-Zeit und die heutige Diskriminierung von Minderheiten zu fördern.

Hier finden Sie — auf der Homepage des Arbeitsbereichs „Minderheitengeschichte und Bürgerrechte in Europa“ — weitere Informationen und Fotos.

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